Skitourenreise Pyrenäaen
Interview von Caroline Fink für bergpunkt, Januar 2026
"Die Einsamkeit war nicht leer, sondern klar"
Dario Ferraro will erkunden und erleben. Deshalb hat er sich für eine Skitourenreise mit Pioniercharakter entschieden. Was am meisten prägte und warum er schweren Schnee mag, erzählt er im Gespräch mit bergpunkt.
Dario Ferraro, du warst auf Skitourenreise in den Pyrenäen. Warum gerade die Pyrenäen?
Die Pyrenäen haben für mich etwas Mystisches. Sie trennen die iberische Halbinsel vom restlichen Europa und verbinden das Mittelmeer mit dem Atlantik.
Du suchst auf Skitouren mehr als nur Pulverschnee.
Ja. Ich will erkunden und mitverantwortlich sein. Deshalb entschied ich mich bewusst für eine Reise mit Pioniercharakter.
Von bergpunkt weiss ich, dass auch Mixed Martial Arts eine Leidenschaft von dir sind. Gibt es Parallelen zwischen dem Skitourengehen und Kampfsport?
Durchaus. Beides erfordert Präsenz, nur die Sprache ist eine andere. Und beides konfrontiert mich mit mir selbst: im Kampfsport über den Körper, in den Bergen über die Stille.
Die Pyrenäen gelten als weniger erschlossen als die Alpen. Hast du das auch so erlebt?
Ja. Die Pyrenäen sind einfacher, ruhiger, einsamer und weniger inszeniert.
Hat dich das überrascht?
Was mich überraschte: Die Einsamkeit war nicht leer, sondern klar. Und die Einfachheit hatte etwas sehr Ehrliches.
Nun ist die Reise bereits eine Weile her. Welche Erlebnisse werden für immer bleiben?
Einerseits werde ich mich immer an die vielen Gipfel erinnern, an die Weite der Natur und das Dorf Benasque mit seinen Steinhäusern, das – umgeben von Bergen – in einer Hochebene liegt. Anderseits werden die persönlichen Erfahrungen bleiben: eine Woche ohne Reizüberflutung, in der ich ganz in die Bewegung, den Schnee und den blauen Himmel und das Knirschen der Felle eintauchte.
Und nicht zuletzt wird mir das Gefühl von Selbstwirksamkeit in Erinnerung bleiben: Ich war Teil der Reise und handelte – und das veränderte etwas.
Neben diesen tiefen Erlebnissen klingt dies vielleicht banal. Aber beim Skitouren geht es ja doch auch um Schnee. Hand aufs Herz: Wie war der Schnee so weit im Süden?
Zugegeben, er war oft schwerer und feuchter als in den Alpen. Der nahe Atlantik ist dort spürbar.
Störte dich das?
Nein. Am Ende macht genau diese geografische Lage die Pyrenäen so besonders. Ausserdem mag ich das Meer! Seit 13 Jahren widme ich mich auch dem Hochseesegeln.
Was steht als Nächstes auf dem Programm: Berge oder Meer?
Das Meer! Im Februar reise ich für einen zehntägigen Segeltörn in die Karibik.
Wenn ich dich nun nach den Gebieten frage, von denen du noch träumst – sind auch dort Berge und Meer vertreten?
Auf jeden Fall. Ich träume vom Kilimandscharo. Und von einem Transatlantiktörn.
Vielen Dank, Dario, für deine Zeit und das Interview!




